Volker Anders aus Köln:
Moin, Ihr Lieben,
seht Ihr, gleich war es falsch, was Ihr dachtet. Erstens heißt es hier nicht "moin, moin" und zweitens heißt moin nicht "Morgen", sondern "gut" (moien). Deshalb wird der Gruß von 0 bis 24h verwendet.
Ja, wir waren reichlich 8 Tage in der wundervollen Parklandschaft Ammerland.
Aber auf der Hinfahrt haben wir erst einmal liebe Freunde, Heinz und Helga Keller, in Espelkamp, besucht. Sie haben die Wohnung neu bezogen, nachdem sie von Moers nach Espelkamp gingen.
Es waren schöne zwei Stunden bei lieben und aufmerksamen Gastgebern. Danke Helga und Heinz.
Nun das Ammerland. Es ist gelegen zwischen Jade (-busen) und Ems, es ist ein kleiner Kreis mit nur 6 Gemeinden: Westerstede, Bad Zwischenahn, Edewecht, Rastede, Apen und Wiefelstede. Alle Stedes werden "...schtehde" gesprochen.
In Wirklichkeit gibt es dort aber unzählige kleine oder winzige Orte, am meisten aber Einzelgehöfte, mitten auf dem Feld, im Wald, am See, im Moor. Eben dort, wo schon die Vorfahren waren.
Das Land ist ursprünglich Moorland. Im Museum erfuhren wir, dass vor 120 Jahren die Leute völlig isoliert im völlig baumlosen Moor wohnten, bettelarm waren und auf die Besuche der Vertreter angewiesen waren, die aufkauften (Torf) und verkauften (was zu essen). Selbst kamen die Bewohner nur über Kleinstfließe vom Fleck. Durch Trockenlegung und Torfabbau ist die Gegend heute etwas angenehmer und trockener.
Ja, angenehmer. Es ist ein unbekannter und unendlich schöner Fleck Deutschland geworden, etepetetest gepflegt, aber auch reich an natürlichen Schönheiten (die aber alle von den Bewohnern geschaffen wurden).
Das Ammerland ist ein Parkparadies vor allem deshalb, weil im Land der meisten Baumschulen Europas (eigentlich ist alles Baumschule), wo es 500 Baumschulen mit 2500 Beschäftigten gibt, auch eine tatkräftige Profimannschaft für das Schaffen von Grün vor und um das Haus vorhanden ist. Die arbeitet verbissen an Verschönerungen. Samstag liegen die alle auf dem Bauch und kratzen nach dem Hecke- und Wieseschneiden kaum sichtbare Unkrautspuren aus den Ritzen.
Hier mal Auszüge aus verschiedenen Internetseiten zum Thema Ammerland:
Egal, ob sportlich oder gemütlich, kulturinteressiert oder naturverbunden - das Ammerland lässt keine Wünsche offen. Hier könnt Ihr wie Tarzan im Forest Fun klettern oder wie Henning Scherf mit der Clubdraisine fahren. Wasserski oder Wakeboard fährt man am besten im Beachclub Nethen; auf dem Zwischenahner Meer treffen sich die Segler bei regelmäßig stattfindenden Regatten.
Darüber hinaus treten Radurlauber vor so schöner Kulisse noch lieber in die Pedalen. Eine Million Besucher finden hier jedes Jahr Erholung, umgeben von einzigartiger Landschaft und kulturellen Schätzen. Das Ammerland ist eine Region mit lebendiger Tradition, in der sich altes Handwerk und uriges Brauchtum erhalten haben: Der Schnaps wird aus Löffeln getrunken und der geräucherte Smoort-Aal mit den Fingern gegessen. Vor allem aber wird hier Tee getrunken. Aber das muss man alles selbst ausprobiert haben!
Gartenliebhaber kennen es schon lange: das Ammerland als traditionsreiches und bedeutendes Baumschulgebiet mit dem „Park der Gärten“, den großen Rhododendrenparks (die größten sind 60 und 80ha groß!) und vielen privaten Kultur- und Bauerngärten. Diese blütenreichen Gartenparadiese unterschiedlichster Größe zeugen von viel Liebe zur Natur und schöpferischer Kreativität.
„Eine Landschaft wie ein Park. Und im Mai ein Blütenmeer“, schwärmt die aktuelle Oldenburg-Merian-Ausgabe. Und fragt: „Wo endet die Landschaft, wo beginnt der Garten?“
Europas bedeutendstes Anbaugebiet für Baumschulpflanzen ist die Region Oldenburg/Weser-Ems, insbesonders das Ammerland. Es gibt mehr als 500 Ammerländer Baumschulen mit über 2500 Beschäftigten.
Der erwähnte Rhododendron ist überall zu finden, sehr oft als Hecke. es muss ein Traum sein, zwischen 15. und 25. Mai, der Hauptblütezeit dieser Pflanze, im Ammerland zu sein. Wir werden das jedenfalls eines Tages tun.
Nie in Deutschland haben Hannelore und ich jemals so gepflegte Grundstücke wie hier gesehen, einmalig, penibel. Es muss eine Strafe sein, als Bewohner diesem Wettbewerb ausgesetzt zu sein.
Das völlig ungewöhnliche ist, dass ein einsames Waldgrundstück noch gepflegter als eins in der Stadt ist, das Gras ist dort nicht 10, sondern 7mm lang. Der Hund liegt an einer Disignerkette neben dem frischgeputzten Auto auf mehrmals gekehrtem Neupflaster.
Unser Quartier bei Fam. Gerdes ( http://www.ammerland-touristik.de/DE/Angebote-und-Buchen/gastegeberverzeichnis.php )
war ebenso penibel sauber und wohlgestaltet. Auf dem Tisch standen Blumen, im Kühlschrank Wasser und Kaffeesahne, im Klo feuchte Tücher und Taschentücher, im Wohn- und Schlafzimmer Hunderte Bücher und Zeitschriften, Wanderkarten, Reiseführer, Radführer durch das Ammerland, Ostfriesland einschl. derer Inseln.
Im Schlafzimmer eine kleines Radio, im Wohnzimmer (35m²) eine Hifi-Anlage mit CDs und ein großer Fernseher. Außerdem gemütliche Sessel und Sofas. In der Küche ein großer Esstisch am hellen Fenster und alles, was man dort an Geräten braucht, oder auch nicht braucht.
Es gab einen Garderobenraum und einen großen Abstellraum, auch einen herrlichen Balkon.
Jeden zweiten Tag gab es (kostenlos) frischgebackenen Kuchen und einmal eine nette Teestunde im geschmackvollen Wohnzimmer unserer sehr gutsituierten Vermieter.
Draußen im Garten grüßte der 9mm Rasen mit klinisch reinen Kanten.
Alle Möbel waren neu oder sahen so aus. Es herrschte eine unglaublich gediegene und angenehme Atmosphäre.
Am letzten Tag putzte Herr Gerdes unsere durch Regenfahrten doch sehr mistischen Räder.
Der ganze Spaß hat uns 35 € / Tag gekostet, keinerlei Nebenkosten, Wäsche aller Art inklusive. Seeeeeeeeeeeeehr zu empfehlen!!
Nun zu den Radfahrten: Die Gegend ist flach wie ein Tisch, bei Sturm hat man gute Karten, weil an allen Wegen die Hecken im Westen sind und ganz dicht, hervorragend!
Die Touristikverwaltung hat, neben einigen überregionalen Radstrecken, 5 Touren von Westerstede aus ausgeschildert und liefert Material dazu, klasse. Man kann also in den 5 Tagen sich fallen lassen, man wird geführt. Und die Wege sind so hervorragend gestaltet, dass Natur, Kultur und Merkwürdigkeiten meist auf kleinen asphaltierten oder originell gepflasterten Wegen, manchmal auch auf festen Sandwegen (lockeren Sand gibt es nie), bewusst von allen großen Straßen ferngehalten, abradeln kann, ohne Zeitnot und Schwierigkeiten.
Essen kann man überall unterwegs, meist deftig (Speck, Fleisch, Butter, viel Kartoffeln), wenn man will, aber auch anders. Die Infrastruktur ist großartig.
Wir nun haben alle Touren, wenn auch wegen zweier Vormittagsregen manchmal nicht in voller Länge, abgeradelt. Die schönsten Erlebnisse waren dabei die herrlichen Rhododendrenparks in Gristede (Grischtede!!) und Linswege. Aber auch das Zwischenahner Meer und die Schlösser mit Park in Rastede (Raschtede!!) waren sehr beindruckend.
Die Rhododendren in den Parks sind in alte Baumbestände (Rhodos brauchen immer Schatten!) von ungeheurer Größe eingepflanzt worden. Wunderbar.
Dann sind wir auch noch drei Mal anderweitig unterwegs gewesen:
auf der Nordseeinsel Langeoog, in Langwarden an der Nordsee, zwischen Bremer- und Wilhelmshaven gelegen, und schließlich in Münster/Westfalen auf der Heimfahrt.
Auf der Insel mit dem Lale-Andersen-Grab und -wohnhaus hatten wir nach anfänglichem Schlechtwetter wunderbare Sonne und es war ein Vergnügen, auf diesem gepflegten Eiland mit dem höchsten Punkt ganz Ostfrieslands (eine Düne, knapp 20m hoch), zu sein.
In Langwarden war es wie so oft an der Nordsee, man sah letztere nicht. Mit solchen Orten habe ich nicht viel am Hut. Diesen Reiz verstehe ich nicht.
Münster ist eine tolle Stadt, alt, schön gelegen, mit einem See im Zentrum, mit herrlichen Kirchen (Monasterium= Kloster= Stadtname). Sie war vor Jahren die Siegerin im Wettbewerb der wohnlichsten Orte der Welt und ist ein wahres Fahrradparadies. Hier wurde der Westfälische Frieden, der den 30-jährigen Krieg beendete, besiegelt.
Allerdings gab es beim Wiederaufbau der schwer zerstörten Stadt auch erhebliche Sünden, die bis heute bestehen und das Auge beleidigen.
So, das soll es gewesen sein, wer noch Fragen hat, stelle sie.
Ich kann nur eins sagen, unser Quartier und die Gegend sind sehr zu empfehlen, es ist wirklich wunderbar dort und man weiß nicht, warum die Gegend so unbekannt ist.
Übrigens, die benachbarten Gegenden in Ostfriesland oder um Oldenburg oder das Cloppenburger Land fallen im Eindruck ganz erheblich gegenüber dem Ammerland ab. Wer hinfährt, kann sich also voll auf die 50 x 50 km Ammerlandpark beschränken.
Viele Grüße
Volker
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