Großherzog Paul Friedrich August

Warum heißt der Ort am Kanal westlich von Apen eigentlich Augustfehn?

Kulturbewusst zeigten sich in den letzen Monaten interessierte Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Apen, Der Kulturausschussvorsitzende der Gemeinde Matthias Huber rief vor knapp einem Jahr eine Initiative ins Leben, die sich mit der Namensgebung des Ortes Augustfehn beschäftigte. Somit entstand die Idee, zu Ehren des Namensgebers Großherzog Paul Friedrich August (1783-1853) eine Büste aufzustellen, um an die Entstehung der Fehnkolonie Augustfehn zu erinnern und die Verbundenheit der Ortschaft mit dem Land Oldenburg deutlich zu machen. Es könnte anhand dieser Persönlichkeit Geschichte lebendig gemacht werden.

Der Ort Augustfehn hat sich in seiner rund 150-jährigen Geschichte immer größer und positiver entwickelt. Vergleicht man die Ortschaft mit anderen Bauerschaften in der Region ist diese Entwicklung einmalig. Hier, wo nur Moor und Ödland vorherrschte, wirkten Mitte des 19. Jahrhundert drei von Herkunft und Status verschiedene Gesellschaftsgruppen Hand in Hand:

1. Der Adel:
Das Herrscherhaus des Großherzogtums, das Haus Oldenburg namentlich Gottorp, wurde von vielen Menschen im Oldenburger Land verehrt. Es genoss ein hohes Ansehen und versprach sich sicherlich wirtschaftlichen Fortschritt für sich und seine Untertanen des bäuerlich geprägten Landes.

2. Die Industriellen:
Diese wollten ein Eisenhüttenwerk errichten, um an der fortschreitenden Entwicklung und der Industrialisierung in Deutschland teilhaben zu können und auch in Oldenburg profitversprechende Industrien aufzubauen.

3. Arbeiter und Siedler der Fehnkolonie:
Einfache Menschen, die sich hier eine  Existenz aufbauen wollten.

Der Kaufmann F.G. Orth aus Hengstforde machte die oldenburgische Verwaltung des Herzogs immer wieder aufmerksam, dass eine Fehnkolonie im westlichen Ammerland große Vorteile habe. Im Jahre 1820 begann man schon im Lande seitens der Regierung mit der Erstellung von Kolonien im Ödland und Gebieten der Gemeinheit, so wurde das unverwaltete Land außerhalb der alten Eschdörfer genannt, urbar zu machen. 1822 hatte bereits der Ökonomierat Oetken auf die Vorteile für die Anlegung eines Kanals vom Aper-Tief in Richtung des Ems-Jade-Kanals hingewiesen. Im Jahre 1836 gab es verbesserte Zollbedingungen. Der Deutsche Zollverein wurde gegründet und somit die Behinderungen im Handel zwischen dem Großherzogtum Oldenburg und dem Königreich Hannover verbessert. Die Region um Apen war daher nicht mehr ein Randgebiet im Oldenburger Land, sondern jetzt immer mehr ein Mittelpunkt zwischen Ostfriesland und Oldenburg. Über die Flussläufe Jümme – Leda - Ems konnte man die Hafenstadt Emden über die bekannten Schiffswege gut erreichen. Dem Handel war somit auch aufgrund verbesserter Zollbedingungen kaum mehr Grenzen gesetzt. Im Jahre 1839 nahm auf Anweisung der Regierung Oldenburg der Geometer Woebken die Vermessung und Nivellierung vor. Heute ist die neue Fehnbrücke ins Baugebiet „Fehnland“ nach diesem Fachmann benannt. 1840 lieferte er einen Prüfbericht an das herzogliche Haus. Dieser fiel für die Entstehung einer Fehnkolonie recht gut aus.

Der Großherzog Paul Friedrich August selbst hat letztendlich im Jahre 1841 die Genehmigung zur Anlegung eines Fehnes im oldenburger Teil des Lengener Moores durch das Amt Westerstede erteilen lassen.

Eine Kommission wurde durch die Oldenburger Regierung ins Leben gerufen. Der Name war: „Kommission für die Bokeler Fehnkolonie“. So hieß das Siedlerdörfchen zunächst. Hohe Beamte wie der Freiherr von Berg (Universitätsprofessor und Staatsminister, ein enger Vertrauter des Großherzogs) und ein Herr Krell (später Finanzminister im Lande Oldenburg) verfassten eine Denkschrift,  die die vielen positiven Aspekte einer Fehnkolonie am Orte untermauerte.

Die ersten Siedler jener Zeit hießen:        

  • Kaufmann Johann Friedrich Orth
  • Arbeiter Johann Friedrich Janssen
  • Arbeiter Johann Meyer    
  • Friedrich Frerichs
  • Renke Wübken Kramer  

Für diese Gruppe von Menschen war es sicherlich die größte Herausforderung im Moor eine Existenz für sich und für ihre Familie zu schaffen.

Im Herbst 1850 wurden die ersten fünf Kolonate ausgewiesen und im Dezember desselben Jahres erhielt die Kolonie auf Bitten der Siedler zu Ehren des regierenden Großherzogs Paul Friedrich August, der sich selbst in besonderem Maße für die Anlegung der Kolonie eingesetzt hatte, den Namen A u g u s t f e h n. (vgl. Friedl 1992a, 1992b und Orth 1950).


Literaturnachweis
Friedl, Hans (1992a): Günther Heinrich Berg. In: Friedl, Hans (1992): Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg. Im Auftrag der Oldenburgischen Landschaft. S. 67/68. Oldenburg: Isensee.

Friedl, Hans (1992b): Paul Friedrich August. In: Friedl, Hans (1992): Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg. Im Auftrag der Oldenburgischen Landschaft. S. 553-555 Oldenburg: Isensee.

Orth, Werner (1950): Hundert Jahre Augustfehn. Festzeitschrift zur Hundert-Jahr-Feier des Ortes Augustfehn am 12. und 13. August 1950. Augustfehn: Lassen.



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Statue Augustfehner Großherzog

Paul-Friedrich-August-Straße (Eisenhüttenplatz Augustfehn)
26689 Apen

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