Zur Blütezeit der Mühlen an der Wende zum 20. Jahrhundert prägten noch 47 Wind- und Wassermühlen unverwechselbar das Landschaftsbild des Ammerlandes. Zunehmender Einsatz von Dampf- und elektrischer Energie, Umstrukturierungen in der Landwirtschaft und Stilllegungsprämien für die zahlreichen, unrentablen Kleinmühlen führten jedoch insbesondere nach 1945 auch im Ammerland zu einem dramatischen Mühlensterben.
Wie in anderen Regionen auch, wuchs jedoch seit den 60-er Jahren in der Bevölkerung das Bewusstsein, dass mit dem Verlust dieser imposanten Landmarken nicht nur vorindustrielle Kulturdenkmäler verloren gingen, sondern auch Zeugen der Handwerks- und Wirtschaftsgeschichte unwiederbringlich ausgelöscht wurden. So wird seit drei Jahrzehnten auch im Ammerland die Restaurierung der verbliebenen historischen Mühlen betrieben, unter großem Einsatz öffentlicher und privater Gelder und bewundernswertem Engagement ehrenamtlicher Träger.
Zur Zeit befinden sich noch die beiden Galerieholländer in Lindern und Querenstede in der Rekonstruktion, die mit dem Aufsetzen der noch fehlenden Flügelkappen abgeschlossen wird. In der Gemeinde Edewecht, die im Wappen eine Bockwindmühle führt, wurde zur 850-Jahr-Feier im Jahr 2000 sogar eine historische Kokerwindmühle neu errichtet.
Honorieren Sie diese Bemühungen, indem Sie bei einem Aufenthalt im Ammerland die Mühlen besuchen. Die sehenswerten Mühlen können Sie dabei leicht durch die „Ammerländer Mühlenroute” auffinden.
Eine gute Gelegenheit hierzu stellt der „Deutsche Mühlentag” dar, der bundesweit jedes Jahr am 2. Pfingsttag stattfindet. An diesem Tag öffnen die stolzen Eigentümer die Pforten der Mühlen und demonstrieren die alten Techniken ihres traditionsreichen Berufs. Natürlich führen die Müller auf Anfrage auch gern an weiteren Terminen ihre Schätze vor. Eine faszinierende Welt wird Sie in den Bann ziehen.
Voll funktionsfähiger Nachbau der einstigen Kokerwindmühle aus dem Jahre 1879. Das Original steht als technisches Kulturdenkmal im Cloppenburger Freilichtmuseum.
Adresse
Kokerwindmühle
Hauptstraße
26188 Edewecht
Tel: 0 44 05/9 17 00
Die Windmühle im Freilichtmuseum in Bad Zwischenahn ist eine zweigeschossige Galeriekappenwindmühle (Holländer). Sie stammt aus dem Jahre 1811 und wurde zunächst im benachbarten Westerstede aufgebaut. Nach wiederholtem Besitzerwechsel war ihr letzter Standort in Hüllstede in der Nähe von Westerstede. Dort drohte sie nach ihrer Stilllegung im Jahre 1958 zu verfallen und wurde 1960 zur Rettung in das Freilichtmuseum nach Bad Zwischenahn versetzt. In der Mühle gibt es einen funktionsfähigen Mahlgang zum Schroten sowie einen Kollergang, der zur Ölherstellung gebraucht wird. Die Flügel der Mühle sind 11,20 Meter lang, die Gesamthöhe der Mühle bis Kappenfirst beträgt 21 Meter.
Öffnungszeiten
Apr-Sep: Mo-So 15-18 Uhr, Sa-So auch 10-12 Uhr
Adresse
Freilichtmuseum Bad Zwischenahn
Auf dem Winkel 26
26160 Bad Zwischenahn
Tel: 0 44 03/20 71
info@ammerlaender-bauernhaus.de
www.ammerlaender-bauernhaus.de
Der Gallerieholländer in der Gemeinde Apen steht in der Bauernschaft Hengstforde direkt am Aper Tief. Der zweistöckige Galerieholländer wurde ursprünglich 1882 von dem damaligen Müller Johann Christoph Böhlje durch eine Firma aus Norden gebaut. Bis zum Beginn des 2. Weltkrieges war die Mühle voll in Betrieb. Das Mehl wurde zum Teil direkt hier zu Brot verarbeitet und an die Hengstforder Bevölkerung verkauft. Nachdem der Müller Hans Böhlje und sein Sohn 1939 eingezogen wurden, standen die Mühlenfingel still. Zeit und Wetter hatten dem rheetgedeckten Achtkant schwere Schäden zugefügt, so dass der Regen ungehindert an das Holzwerk konnte. Im Juli 1951 wurde ein Flügel vom Blitzschlag zerrissen. Daraufhin entschied sich der Müller Böhlje, die Mühle bis auf das Mauerwerk abbrechen zu lassen. Aus diesem Dornröschenschlaf konnte der nur noch vorhandene Steinachtkant zu dem heute in vollem Glanz stehenden Galerieholländer erweckt werden. Besichtigungsmöglichkeit, Mühlendemonstration, Traumöglichkeit.
Eintritt
0,50 Euro, Führung 1,30 Euro
Öffnungszeiten
Besichtigung: So 10-12 Uhr, Di 17-18 Uhr
Führungen ab 10 Personen nach vorheriger Anmeldung möglich
Adresse
Mühlenförderverein der Gemeinde Apen e.V
Hauptstr. 308
26689 Hengstforde
Tel: 0 44 89/73 20
Adresse
Mühle Lindern
Mühlenweg 4a
26655 Westerstede-Lindern
Tel: 0 44 09/97 03 42
Diese Windmühle wurde erstmals 1799 erbaut und brannte 1827 ab. Bald darauf wurde sie durch eine größere Windmühle ersetzt. 1879 brannte die Windmühle ein zweites mal ab – diesmal durch Blitzschlag. Erst 1880 war sie wieder aufgebaut. 1908 wurde ein Benzolmotor angeschafft, der 1934 durch einen 25 PS-Dieselmotor ersetzt wurde. Am 06.05.1921 wurde die Mühle einmal und am 25.05.1949 binnen weniger Stunden sogar zweimal vom Blitz getroffen. Außerdem wurde sie Ostern 1945 durch eine Leuchtbombe in Brand gesetzt. Jedes Mal gelang es dem Besitzer, durch schnelles Eingreifen einen größeren Schaden zu verhüten. 1998 wurde die voll funktionsfähige Galerieholländer-Windmühle saniert.
Gruppenführung nach telefonischer Absprache möglich.
Öffnungszeiten
tägl. 14-18 Uhr, So 11-18 Uhr und auf Anmeldung; Montag Ruhetag
Adresse
Windmühle Gasthof „Zur Mühle“
Westerschepser Straße 18
26188 Edewecht-Westerscheps
Tel: 0 44 05/87 14
Diese Wallholländer-Windmühle wurde im Jahre 1888 auf einem Erdwall errichtet. Diese Mühle ist noch voll funktionsfähig und wurde im Jahre 1998 saniert.
Im Erdgeschoss befindet sich eine Bilddokumentation über die Mühlenkunde / Geschichte und die Renovierung der Mühle.
Besichtigungsmöglichkeit und Mühlenführungen sind nach telefonischer Absprache möglich.
Adresse
Wallholländer-Windmühle
Hausmannstraße 2
26188 Edewecht-Westerscheps
0 44 05/2 72
Adresse
Up de Höh
26655 Westerstede
Tel: 0 44 09/2 90
Die Mühlengeschichte
1798 plante der Hausmann Johann Diederich Diercks auf seinem Besitz, eine Öl-Rossmühle anzulegen. Zu dieser Zeit gab es im damaligen Kirchspiel Zwischenahn keine Rossmühle, so dass dem Genehmigungsgesuch beim Herzog gute Chancen eingeräumt wurden. Diercks überlegte es sich dann jedoch anders. Zusammen mit seinem Übernachbarn Johann Oltmanns beantragte er etwas später die Anlegung einer Öl- und Graupen Windmühle. Trotz mancher Einwendungen der herrschaftlichen Windmühle in Elmendorf und der Kirchenmühle in Zwischenahn verständigte man sich auf ein Gelände am Heerwege nach Westerscheps ans freye Dänikhorster Moor, dem heutigen Standort unserer Windmühle.
Im Jahre 1802 konnte das Bauwerk in Betrieb genommen werden. Bereits im Jahre 1810 kam zu Windmüllerei eine Krugwirtschaft hinzu, die bis heute Bestand hat.
Dreimal wurde die Windmühle ein Opfer der Flammen. 1870 lief das hölzerne Räderwerk heiß. 1897 traf ein Blitz die Mühle. Danach wurde der Achtkant in Stein gemauert und verputzt.
Ergänzt wurde die Mühle um eine technische Neuerung- eine Windrose. Doch noch einmal brannte die Mühle nieder und zwar im Jahre 1924, dieses mal wieder durch ein Heißlaufen des Räderwerkes. Auch danach wurde die Mühle wieder aufgebaut
Ein gutes Jahrzehnt später diente die Mühle als Filmkulisse für den Film "Krach um Jolanthe". Der Film wurde im Jahre 1934 gedreht.
Im zweiten Weltkrieg wurde die Kappe durch Kriegseinwirkung stark beschädigt. Bis 1952 wurde der Mahlbetrieb mittels der Windkraft mit nur noch einem Flügel aufrechterhalten.
Noch bis 1973 wurde Mehl in der Mühle gemahlen. Der Mahlgang wurde allerdings mit einem Elektromotor angetrieben. Durch Bemühungen des im Jahre 1997 gegründeten Mühlenvereins ist die Restaurierung der Windmühle möglich geworden, Die Restaurierung zog sich von 1999 bis ins Jahr 2001 hin. Am 06.12.2000 wurde die Mühlenkappe gerichtet. Nach weiteren Arbeiten erhielt die Querensteder Mühle rechtzeitig zum Mühlentag 2001 (Pfingstmontag) ihre Flügel.
Jedes Jahr findest am Pfingstmontag der Niedersächsische Mühlentag statt, an dem auch wir uns beteiligen.
An diesem Tag bieten wir unseren Gästen ein buntes Rahmenprogramm für jung und alt rund um die Querensteder-Mühle.
Adresse
Galerieholländer Querenstede
26160 Bad Zwischenahn
Tel: 0 44 03/39 31